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Die alte Leier mit dem deutschen Finanzamt

Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass mich das deutsche Finanzamt überhaupt noch überraschen kann. Ich meine, ich kann mittlerweile ziemlich zuverlässig behaupten, dass ich schon eine Menge Mist gesehen habe.

Jedenfalls habe ich wieder mal Post vom Finanzamt erhalten. Zur Abwechslung mal keinen Steuerbescheid, sondern eine Mahnung. Da habe ich erstmal ziemlich blöd geschaut, denn eigentlich bezahle ich meine Steuern halbwegs pünktlich (oder zumindest innerhalb der jeweiligen Fristen). Ich will ganz ehrlich sein, ich hasse dieses Thema. So richtig. Deshalb lasse ich das auch machen und mache es nicht selbst. Wenn ich einen Brief vom Finanzamt mit irgendeiner Auflistung von Zeugs, das ich zahlen muss, bekomme, so muss ich den mehrmals durchlesen, bis ich überhaupt ansatzweise verstehe, was man von mir will.

Diesmal war das nicht ganz so wild, es stand ja netterweise in relativ großen Lettern “Mahnung” (auf der rechten Seite – wo sonst platziert man Überschriften?) auf dem Papier. Dann waren da noch Beträge gelistet, die für den Zeitraum “4.Vj.09″ angegeben waren. Offenbar habe ich also etwas im vierten Vierteljahr 2009 nicht gezahlt.

Aha. Relativ komisch, denn ich hatte – wie jedes Jahr – im vierten Quartal des letzten Jahres meine (viel zu hohe) Steuernachzahlung erbracht (Nachzahlungen sind bei mir immer erforderlich, immerhin betreibe ich ja so einige Nebentätigkeiten). Aus dieser ging jedoch meiner Ansicht nach nicht hervor, dass ich noch mehr (einen geradezu astronomischen Betrag) als “nur” meine Nachzahlung für das vergangene Jahr in der vierten Jahreshälfte zahlen musste. Ich zeige euch das mal:

Olis Steuerbescheid

Solltet ihr nicht zu den 3 (meine Steuerberaterin, Vasco und irgendwen könnte es in diesem Land möglicherweise noch geben, also riskiere ich mal nichts, greife hoch und sage “3″) Menschen in diesem Land gehören, die sich gerne mit Steuern befassen und somit genau wissen, was man hier verdeutlichen will:

Am 10. Dezember 2009 waren die Beträge “viel zu viel”, “Kneipenabend” und “Fahrt mit der Deutschen Bahn” fällig. Ist ja auch logisch. Wenn man “auf der x-Achse”, also als Spaltenüberschriften, Daten wählt, dann platziert man auf der “y-Achse”, also den jeweils ersten Zellen in einer Zeile, AUCH noch mal Daten. Und weil es viel zu deutlich wäre, die Zelle ganz rechts zu teilen, um so optisch zu verdeutlichen, dass der oben gelistete Betrag 2009 und der unten gelistete Betrag 2010 fällig ist, spart man sich die Tinte kurzerhand auch noch. Genial gelöst!

Um zu beweisen, dass ich nicht nur meckern, sondern auch konstruktiv sein kann, möchte ich hier mal zeigen, wie man es “hätte machen können”: Mein Vorschlag für den Steuerbescheid

Ich weiß, es wirkt fast schon zu klar strukturiert für die deutschen Finanzbehörden und sie würden sich auf so einen Vorschlag nie einlassen. Nichts desto trotz muss ich ihn hier einfach mal bringen. Bei diesem Aufbau wird auf den ersten Blick ersichtlich, WANN welcher Betrag gezahlt werden muss. Insbesondere wird nicht ein Suchkriterium (Datum) SOWOHL auf der x- als auch auf der y-Achse gelistet.

Aber nein, warum es den Leuten auch einfach machen? Dann kann man leider keine Mahngebühren kassieren…

Ebenfalls erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass ich laut Mahnung einen geringeren Beitrag zahlen muss als den, der auf meinem Steuerbescheid ausgewiesen ist. Das konnte man mir am Telefon (das deutsche Finanzamt arbeitet nicht mit E-Mail, das wäre zu modern) zwar nicht erklären, doch ich habe es mir dann selbst zusammen reimen können. Ich erklärte es der Frau kurzerhand (es ist immer wieder toll, wenn man Leuten ihren Job erklärt, von dem man selbst überhaupt keine Ahnung hat… – Ich hatte bei meiner letzten Nachzahlung zu viel überwiesen, da man mir ein Update meines Steuerbescheids schickte, ich aber bereits überwiesen hatte) und daraufhin habe ich nun eine Benachrichtigung erhalten, dass sich Guthaben auf meinem “Steuerkonto” (ich wusste nicht, dass ich das eröffnet habe) befindet. Was natürlich kompletter Blödsinn ist, denn der überschüssige Betrag wurde bereits mit dem noch fälligen Betrag verrechnet und unter dem Strich ist somit ein erheblicher Betrag (“viel zu viel” und mehr) offen.

Gut zu wissen, dass nicht mal die Leute, die in dieser Behörde arbeiten, verstehen, wie sie eigentlich funktioniert… doch warum umdenken, Deutschland ist ja offenbar ziemlich stolz auf sein Steuersystem… unterstützt immerhin die Verlage, die jedes Jahr eine neue Ausgabe des Steuerwesens drucken können.

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