Inception oder: Die Kunst des Erzählens


Solltest du Inception noch nicht gesehen haben, so verliere keine Zeit, löse dich vom Bildschirm und begib dich auf den Weg ins Kino! Ernsthaft. Ich werde zwar nichts wirklich Wichtiges über den Inhalt des Films verraten, allerdings kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass das Lesen von irgendwelchen Reviews vor Filmbeginn das Erlebnis beeinflusst. Üblicherweise auf negative Weise. Man beginnt damit, nach den Dingen zu schauen, die der jeweilige Reviewer erwähnt hat und konzentriert sich nicht mehr auf den eigentlichen Film.

Inception movie poster

Inception ist ein Actionfilm mit fantastischen Effekten. Darunter liegt ein Drama, doch es ist nicht der Mix an Genres, der den Film so empfehlenswert macht. Es ist vielmehr die Tatsache, dass der Film auf eindrucksvolle Weise zeigt, was auf der Leinwand in punkto Storytelling möglich ist. Christopher Nolan, der Regisseur (bekannt durch seine hoch gelobten Werke Memento und The Prestige sowie seine Wiederbelebung des Batman Franchises mit Batman Begins und The Dark Knight) des Films, hat hier einen sehr umfangreichen Handlungsbogen entworfen, der auf verschiedenen Ebenen funktioniert. All diese Ebenen nehmen auf halbwegs komplexe Weise wechselseitig aufeinander Einfluss, allerdings ist es einerseits nicht sinnvoll und andererseits nicht empfehlenswert diese nun in ein paar Sätzen zusammen zu fassen. Zudem würde es erneut das Erlebnis negativ beeinflussen, daher spare ich euch die Zeit und gehe nicht näher auf den Plot ein.

Ich habe mehrfach gelesen, dass dieser Film “Intellekt belohnt”. Dieser Aussage kann ich mich nur anschließen, denn selbst wenn man Zweifel daran hat, ob man alles begreift, während der Film läuft, so wird man – insofern man genügend Aufmerksamkeit aufbringt – auf eindrucksvolle Weise beobachten können, wie sich das Puzzle zusammen fügt und das Kino schließlich beeindruckt verlassen. Der Film ist nicht übermäßig verwirrend, eigentlich ist er sogar relativ geradlinig. Durch die relativ komplexe Natur der verschiedenen Handlungsstränge, die parallel zueinander ablaufen, könnte er allerdings verwirrend erscheinen. Jedoch tragen die fantastischen Performances des tollen Casts, angeführt von Leonardo DiCaprio (der sich langsam zu einem meiner Lieblingsschauspieler gemausert hat – welcher Mann hasste ihn nicht nach Titanic? Meine Empfehlung lautet daher, einige seiner jüngeren Arbeiten anzusehen, insbesondere The Departed, die einem schnell klar machen, wie sehr er sich weiterentwickelt hat) sowie der epische Score von Hans Zimmer den Film mühelos und man hat nicht den Gefühl, dass man sich jetzt durch mehr als 2 Stunden Kino “quälen” muss; im Gegenteil, man saugt jede Minute auf und freut sich auf die Fortführung der Geschichte.

Das sind auch schon meine 2 Cent zu Inception. Was denkt ihr über den Film? Kriegt ihr den Score ebenfalls nicht aus dem Kopf? Habt ihr alles verstanden oder habt ihr euch von einigen Handlungssträngen, bzw. den Funktionsweisen, wie diese miteinander agiert haben, doch verwirren lassen?

P.S.: Solltet ihr des Englischen mächtig sein, so schaut den Film auf Englisch. Die Charaktere haben dort sehr viel mehr “Tiefe”, die in der Übersetzung durch das Wegfallen von Dialekten etwas verloren geht. Offenbar sprechen irgendwie alle Schauspieler, egal wo sie herkommen, in deutschen Filmen Hochdeutsch. Für einen Franken eine besonders schreckliche Vorstellung.

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  1. #1 by soulwarrior on 10 August 2010 - 10:16

    Hm, das sind wohl mal 2 Filme, die bisher sonst kaum jemand genannt hat. ^^
    Komisch ist eigentlich nur, dass so einige Leute behaupten, es wäre der schlechteste Zimmer-Soundtrack seit einiger Zeit. Der Eindruck kann möglicherweise entstehen, wenn man die Bilder des Films nicht dazu vor sich hat (wobei ich es selbst dann ne zweifelhafte Meinung finde). Doch spätestens wenn man die Szenen zu den Stücken sieht, muss man einfach sagen, dass der Soundtrack übermäßig passend ist und den Film auf seine Weise fantastisch unterstützt.

  2. #2 by Matthias on 10 August 2010 - 9:42

    UCI:
    ICh habe es im Zoo-Palast, welches ja auch schon dem UCI gehört werbefrei gesehen. Eine Werbung hätte mich auch ultra geärgert. Aber nachdem ich geseehn habe eine normale Karte kostet da nur 6,70 sind die 50% nicht mehr wirklich 50%…

    Fortsetzung:
    Ein zweiter Teil wäre ein großer Fehler, aber mögliche Idee wäre das ganze aus Ihrer Perspektive zu erzählen.

    Story:
    Der erste Film der mir in den Sinn kam war Total Recall. Ist schon 20 Jahre alt und kann mit heutiger Technik und Erzählkunst nicht mithalten, aber der war hatte damals genauso mit dem Zuschauer gespielt und war von mir auch mit Begesiterung im Kino gesehn worden. Auf dem kleinen Fernseher kann der natürlich nichts.

    Das andere Gefühl am Ende des Film hatte ich bei Basic Instinct, auch schon 18 Jahre her, aber der Film, hatte am Ende auch die Frage offen gelassen wer der Mörder war.

    Und ja, die Musik ist der Wahnsinn und fügt sich perfekt in die Bilder. Oscarverdächtig.

  3. #3 by soulwarrior on 5 August 2010 - 10:38

    Ja, super-schlechtes UCI. Das weiß schon, warum es in Berlin den 5 Kinobesuche 50% reduziert Deal angeboten hat…

    Die Pause kam im Grunde genau nachdem das Team feststand und der Plan grob ins Auge gefasst wurde. Also bevor das Flugzeug abgehoben hat, wenn ich mich nicht irre.

    Nun ja, der Aha-Effekt soll ja eigentlich was anderes sein, das fand ich aber unendlich durchschaubar.
    Ich denke nicht, dass der Film eine Fortsetzung haben wird. Ja, es wäre super denkbar, aber außer wenn Hollywood unbedingt das Thema ausschlachten will, ergäbe das keinen Sinn. Das ist halt ein typischer “One Shot” Film, kein Franchise wie Batman. Der Film kann IMO fast nur verlieren, wenn man da anknüpft, außer Nolan hat da einen total genialen Plan, der sich mir nicht erschließt.

  4. #4 by Mario on 5 August 2010 - 1:06

    Wo geht ihr denn ins Kino, dass die euch den Film mit Pause zeigen? Das hab ich schon ewig nicht mehr erlebt. Finde auch, dass so etwas eindeutig stört. An welcher Stelle kam denn die Pause?

    Na, ein Hoch auf den UFA Palast in Dresden.^^

    Am Anfang muss man sich reindenken. Aber ich finde, dass geht ganz gut und dass es erzählerisch gut umgesetzt wurde. Wobei der Anfang mit dem alten Mann dann erst im letzten Drittel zum Aha-Effekt führt. Finde es schon sehr interessant, da man ab einer bestimmten Stelle realisiert, dass er da abermals Jahre verbraucht.

    Ich denke, der Film hat noch Potenzial für eine Fortsetzung. Ein Großteil des Films behandelt ja auch erst einmal die Theorie dahinter. Denke da würde noch etwas gehen.^^

    ~ Mario

  5. #5 by soulwarrior on 4 August 2010 - 23:23

    Hm, interessantes Feedback. Ich fand die Pause (die es nur im dt. Film gab) TOTAL nervig. Also… sie war zwar ideal platziert, aber ich hatte mich so darauf gefreut, dass es jetzt so richtig abgeht.

    Ich fand den Teil zuvor nicht unbedingt viel zu lang und so, aber man hat sich halt schon gewünscht, dass jetzt Action kommt. Und genau dann die Pause, das war schon die krasse Euphorie-Bremse. ^^

    Von daher kann ich das bestens nachvollziehen, wobei ich die Pause nicht so schlimm fand. Besser ist der Film aber ohne allemal!

  6. #6 by Jodokast on 4 August 2010 - 21:07

    Hi,
    ich fand den Anfang bis zur Pause sehr anstrengend.
    Kann auch daran liegen, dass mich die Thematik des Träumens nicht so sehr interessiert/mitreisst.
    Sicherlich ist dieser Teil wichtig um den ganzen Film zu verstehen :)

    Nach der Pause habe ich gar keinen Kritikpunkt.

  7. #7 by Mario on 4 August 2010 - 20:26

    Ich geb’ dir vollkommen Recht. Inception ist wieder einmal ein Film, den ich mir sogar im Kino ein zweites Mal ansehen würde. Schon bemerkenswert, was Nolan da zaubert. Mittlerweile stehen alle verfügbaren Filme der letzten zeit in meinem DVD-Regal. Und alle sind einfach Top. Inception wird nicht lange als DVD auf sich warten lassen. :)

    Ich finde besonders das Ende wirklich.. ähm.. sagen wir böse.^^ Im Vollen Kino kommt dann schon einmal “oaaaaaaar” nachdem darauf gewartet wurde, was passiert.^^
    Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann höchstens, dass es keine Szene nach dem Abspann gab. Ich liebe solche separaten Szenen und hier hätte eine 10 Sekunden Sequenz der letzten Filmszene (ruhig mit gleichen Ergebnis) meiner Meinung nach noch einen draufgesetzt. :)
    Aber sonst einfach nur guter Film. Sehr guter Film :)

    ~ Mario

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