Ethik am Arbeitsplatz


Heute wurde ich unweigerlich auf die Frage gestoßen, was eigentlich aus der Arbeitswelt geworden ist?! Sicherlich befinden wir uns in schwierigen Zeiten mit einer weltweiten Finanzkrise und einem damit verbundenen schwierigen Arbeitsmarkt, doch ich war bisher immer der Ansicht, dass dies nicht zwangsweise zu einem Halsabschneider-ähnlichen Verhalten führen muss. Zwar bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass es sich nicht gerade empfiehlt, schlecht über einen ehemaligen Arbeitgeber zu reden, da dies mögliche zukünftige Arbeitgeber abschrecken könnte, doch ich glaube auch an Aufrichtigkeit und Integrität. Da beide dieser Werte mit Füßen getreten wurden, muss ich jetzt einfach mal den Mund aufmachen, um diese Geschichte besser zu verarbeiten. Selbst wenn das gegen mich verwendet werden kann.

Wie viele von euch bereits wissen wurde ich vor einigen Monaten von einer Berliner Firma angestellt. Ich kam mit den meisten Leuten dort bestens aus, insbesondere auch mit dem Chef der Firma, der auf mich immer den Eindruck einer äußerst direkten und freundlichen Person machte. Während der ersten Woche in der neuen Firma wurde ich gefragt, ob ich jemanden kenne, der als Programmierer aushelfen könnte. Ich sagte, dass ich einen guten Freund hätte, der diese Chance sehr gerne wahr nehmen würde, dieser allerdings seit einiger Zeit arbeitslos war. Nichts desto trotz würde er in jedem Fall das Zeug mitbringen, um diese Lücke zu schließen, da seine Fähigkeiten über alle Zweifel erhaben sind. Mein damaliger Chef sagte, dass für ihn Qualität zählen würde und ihm der Hintergrund meines Freundes nichts ausmachen würde.

Ein Vorstellungsgespräch später hatte mein Freund die Stelle. Alles wirkte fast schon zu gut, um wahr zu sein. Mit einem meiner besten Freunde gemeinsam bei einer ziemlich coolen Firma arbeiten zu können war wie ein kleiner wahr gewordener Traum.

4 Monate später platzte die kleine Seifenblase, die ich mir gebaut hatte. Ich wurde entlassen, obwohl mir zuvor versprochen wurde, dass ich auch über die Dauer des Projekts, von dem ich abgezogen wurde, beschäftigt werden würde. Ebenso wurde mir versprochen, dass ich einen Anruf bekommen würde, sobald die Verträge mit einem neuen Partner unterschrieben wären und ich der “erste Mann für den Job” wäre. Soweit ich weiß sind diese Verträge mittlerweile unterzeichnet worden und ihr könnt euch gerne selbst ausmalen, ob mein Telefon geklingelt hat…

Nichts desto trotz bin ich ruhig geblieben. Mein Freund hatte nach all der Zeit der Arbeitslosigkeit endlich wieder einen Job gefunden, so dass die ganze Sache doch irgendwo etwas Gutes hatte….

Heute musste ich erfahren, dass mein Freund entlassen wurde. Zwei Wochen vor Ablauf seiner Probezeit. Klar, wenn man jetzt nur die paar Zeilen gelesen hat, die ich hier aneinander gereiht habe, so liegt einem das “das war doch absehbar” quasi zwangsweise auf den Lippen. Doch tatsächlich hat dies niemand kommen sehen; zumindest niemand, der sich in letzter Zeit mit meinem Freund unterhalten hatte und ihn von der Arbeit erzählen hörte, da er dauerhaft erläutern konnte, was noch alles zu tun wäre und was bereits erreicht wurde.

Wie sich herausstellte, wurde mein Freund offenbar nur beschäftigt, um die Dokumentation sowie die Klassen für ein kommendes Software-Projekt zu entwickeln. Die Umsetzung, der “einfache Teil”, kann nun von einem Praktikanten oder Studenten oder sonst irgendeiner billigen Arbeitskraft angegangen werden. Ich kann mir nicht helfen, ich muss mich darüber einfach aufregen. Klar, die Budgets sind immer knapp, aber hier gab es jemanden, der ausgezeichnete Arbeit ablieferte. Der seinen Job sehr MOCHTE. Der gut mit seinen Kollegen und insbesondere seinem Chef auskam. Der lächerlich bezahlt wurde, wenn man bedenkt, welche Qualifikationen und Erfahrung er vorweisen konnte, sich aber trotzdem nicht beklagte. Mein Gott, er ist sogar für die Stelle umgezogen. Und alles, was dabei für ihn raus sprang, war etwas mehr Erfahrung und ein Taschengeld (was einem nicht wesentlich weiterhilft, wenn man vor kurzem umgezogen ist).

Ist das wirklich die moderne Geschäftswelt? Gibt es keinen Platz mehr für Moral und können Firmen nur noch überleben, wenn sie ihre Mitarbeiter wie Dreck behandeln? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich brenne darauf, zu erfahren, ob wir einfach nur Pech hatten oder ob es sich bei diesem Umgang tatsächlich um die modernen Methoden handelt, an die man sich nun besser gewöhnen sollte?!

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  1. #1 by Peter Banck on 8 January 2010 - 17:28

    Has Been like that in Sweden for years.. at some firms at least.

  2. #2 by Matthias on 8 January 2010 - 11:27

    I remember when my wife had a job at a tax company and was kicked prior to the end of her probation time. And it wasn’t because she was not good enough, but because she was too good. She managed to reduce the overhead of workload, she managed to get everything back in deadlines, and she was also able to get along with everyone in the company. But effectifly she made herself redundant.

    But instead of getting rid of the worst employee and keeping a good one, she was fired because it was the easiest move for the company. Getting rid of someone during the probation time only costs you a wave and your done. Getting rid of someone else costs you a lawyer and time and money.

    That’s one of the worst aspects of our employment laws. It doesn’t help the best workers, but only thoose that have a job. The rest is screwed. :(

(will not be published)