Identität


Jeder Mensch hat ein gewisses Bild von sich selbst. Man bezeichnet dieses Selbstbild als die Identität. Die Identität ist wiederum von den Werten abhängig, die für einen Menschen wichtig sind. So legen einige Leute beispielsweise mehr Wert darauf, ausdrucksstark vorzugehen und andere zu überzeugen, während wieder andere lieber in sich gekehrt agieren und einen ruhigen Eindruck machen wollen. Man lebt also in einer Weise, in der man möglichst der Identität entspricht, die man sich selbst geschaffen hat.

Das Selbstbild, das wir von uns haben, stimmt häufig nicht mit dem Bild überein, das sich andere von uns gemacht haben. Allein das ist schon eine Erkenntnisse, zu der erschreckend wenige Leute kommen. Wenn also jemand sagt: “Ich bin […]”, dann meint er vielmehr: “Ich will […] sein.” Ob er letztlich wirklich das ausstrahlt, was er ausstrahlen will, hängt vom jeweiligen Gesprächspartner ab.

Dieses Thema ist zutiefst faszinierend, da es zum einen extrem einleuchtend ist, sich zum anderen aber die wenigsten Leute Gedanken dazu gemacht haben. Befasst man sich näher damit, stößt man auf beeindruckende Beispiele; eines meiner persönlichen Lieblingsbeispiele möchte ich an dieser Stelle teilen:

Während eines Krieges (wenn ich mich recht entsinne handelte es sich um den Korea-Krieg) wurden amerikanische Gefangene überraschend häufig zum Überlaufen bewegt. Wie erreichte dies der Kriegsgegner der Amerikaner? Nun, zunächst isolierte man einen einzelnen Gefangenen von seinen Kameraden. Dann wurde bewusst auf Folter verzichtet und er wurde einfach nur in Einzelhaft belassen. Nach einer extrem langen Zeit wurde er darum gebeten, etwas Positives über den Kommunismus zu schreiben. Dieser Bitte kam er überraschend häufig nach, denn eine Woche Einzelhaft in einer Zelle ohne Licht und jegliche menschliche Interaktion kann so einiges bewirken. Eine alternative Methode war es, den Gefangenen etwas aufschreiben zu lassen, was negativ am Kapitalismus, bzw. dem amerikanischen System war.

Im Anschluss wurden diese unterschriebenen Dokumente den anderen Gefangenen präsentiert, während der Gefangene, der zuvor in Einzelhaft war, wieder zu ihnen in die Zelle kam. Er hatte keine Ausrede parat, warum er derart “unpatriotische” Aussagen von sich gab, schließlich wurde er nicht gefoltert. Dies führte wiederum dazu, dass er von seinen Kameraden als “Überläufer” betitelt oder eben in ähnlicher Form ausgegrenzt wurde.

Ein Mensch kommt nicht damit zurecht, wenn er sich in einer Weise verhält, die überhaupt nicht der jeweiligen Identität entspricht, die er sich geschaffen hat. In diesem Fall kam ein amerikanischer Soldat, ein Patriot, der seinem Vaterland treu dienen wollte, nicht damit zurecht, dass er ein Verräter war. Die logische Konsequenz ist, dass sich die jeweilige Person eine neue Identität schafft. Dies ist geschehen, indem sich der jeweilige Gefangene plötzlich selbst als Überläufer bezeichnete.

So ermöglichte er es sich selbst gemäß seiner Werte (die sich nun grundsätzlich verändert hatten, aber das ist an dieser Stelle weniger wichtig) zu leben und nicht im Konflikt mit sich selbst zu sein. Und ab diesem Zeitpunkt gab er bereitwillig noch mehr Informationen preis und wurde zu einem “richtigen” Überläufer. Insbesondere löste sich auch die Bindung zu seinen ehemaligen Freunden.

Es ist fantastisch, was man mit ein wenig Psychologie alles bewirken kann. Ich selbst bemerke gerade auch wieder, wie ich mir eine Identität schaffe, die sich von der, die ich zuvor hatte, in gewissen Einzelheiten unterscheidet. So versuche ich ganz bewusst mich mit meinem neuen Job zu identifizieren und den Spielern als Community Assistant zu helfen. Es ist eine spannende Reise durch das eigene Selbst, die man allerdings nur dann bewusst bestreitet, wenn man um die Hintergründe weiß, die sich im eigenen Kopf abspielen.

Habt ihr schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht oder denkt ihr nun nach der Lektüre dieses Beitrags anders über eine eurer Verhaltensweisen, die euch zuvor Rätsel aufgab?

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