Unbegabt, ohne es zu wissen


Jeder kennt dieses Phänomen: Man sieht eine Person, die eine Aufgabe einfach nicht zufriedenstellend lösen kann, wenn man dann aber mit dieser Person darüber reden will, scheint sie überhaupt nicht zu wissen, von was man eigentlich redet. Wenn ich nun behaupte, dass die Unbegabten überhaupt keine Ahnung davon haben, wie schlecht sie ihre Rolle eigentlich ausfüllen, wird mir wahrscheinlich jeder Leser umgehend beipflichten und mir zusätzlich versichern, dass er ebenfalls so eine Person kennt.

Tatsächlich gibt es eine Studie (in Englisch) zu diesem Thema, die ich nach einer halbwegs interessanten “Wikipedia-Reise” (vom Dilbert-Prinzip ging es zum Peter-Prinzip, ein kurzer Umweg führte mich zum Parkinsonschem Gesetz (das ich übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen kann), von dort kam ich zum Ig-Nobelpreis und schließlich landete ich beim Dunning-Kruger-Effekt sowie der damit verbundenen und bereits verlinkten Studie) gefunden habe. Diese verdeutlicht einige Dinge, die eigentlich schon “jeder wusste”: Zunächst einmal überschätzen sich die Unbegabten am deutlichsten. Je besser eine Person war, desto näher lag ihre Einschätzung ihrer eigenen Leistung an der Realität – mit Ausnahme der besten Leute im Test, was allerdings ebenfalls anhand einer logischen Behauptung erklärt wurde (darauf gehe ich gleich ein).

Um nun den Unbegabten zu verdeutlichen, wie schlecht sie eigentlich im Vergleich mit ihren Mitmenschen bei verschiedenen Tests abschnitten, musste man ihnen erklären, wie man diese Tests löst. Dies ist ein Paradoxon: Um einem Unbegabten zu verdeutlichen, dass er unbegabt ist, muss man ihn in einen Experten, bzw. Fortgeschrittenen “verwandeln”.

Die Lektüre dieser Studie (die stellenweise aufgrund der vielen Zahlen und der dazu gehörigen Interpretationen nicht unbedingt als “leichte Kost” durchgeht) brachte mich wiederum zu einigen interessanten Gedankengängen:

  • Ich glaube, ich habe mich als Fußballer immer selbst überschätzt – (ja, es ist vollkommen OK an dieser Stelle zu lachen. Immerhin bestätigt mich dies aber in meiner Entscheidung, dem Fußball den Rücken gekehrt zu haben und eine Karriere im komischen Bereich der Trading Card Games anzustreben)
  • Ich fühle mich darin bestätigt, andere Leute in vielerlei Weise weiterzubilden – (das heißt jetzt nicht, dass ich es Leuten gnadenlos ins Gesicht reiben werde, wenn sie sich weniger gut anstellen. Vielmehr wird es mir jetzt wohl noch einfacher fallen, Verständnis dafür aufzubringen, wenn jemand “eine lange Leitung hat”)
  • Es wird noch etwas deutlicher, warum Leute so wenig von sich aus dafür tun, dazu zu lernen. Sie sind sich gar nicht darüber bewusst, wie unwissend sie teilweise sind – (oder mit den Worten eines Zynikers: “Die Welt ist schlecht.” – was uns schon längst klar war)
  • Ich frage mich bezüglich verschiedener Dinge, ob ich schlecht bin und mich selbst überschätze oder so genial, dass ich mich nach wie vor unterschätze – (selbstverständlich tendiere ich zu letzterem)

Die Studie verglich die Unbegabten mit Patienten, die an Agnosognosie leiden: Diese Krankheit führt zu einer Schädigung der rechten Gehirnhälfte, was wiederum eine Lähmung der linken Körperhälfte nach sich zieht. Stellt man nun einen Becher vor einen solchen Patienten und bittet man ihn, diesen mit der linken Hand anzuheben, wird er dies (verständlicherweise) nicht tun – immerhin ist diese Hand gelähmt. Interessanterweise wird der Patient allerdings nicht einfach eingestehen, dass er nicht dazu in der Lage ist, den Becher zu heben; vielmehr wird er behaupten, er hatte gerade nicht zugehört als man ihn dazu anwies (falls man ihn später dazu befragt), er würde vorgeben, müde zu sein oder dass ihm “einfach nicht danach ist.” Es entzieht sich also vollkommen seinem Verständnis, dass er an einer Einschränkung leidet, die dieses Resultat nach sich zieht.

Einmal mehr fühle ich mich daher in meiner Ansicht bestätigt, dass Wissen allein den meisten Leuten nicht reicht, wie ich schon in meinem Eine Entscheidung kann den Unterschied machen Blog-Post behauptete.

Noch eine kurze Anmerkung zum Schluss: Die Hochbegabten gingen wahrscheinlich davon aus, dass der Rest ähnlich gut wie sie abschnitt. Daher lagen sie mit ihrer Einschätzung unter dem tatsächlich erreichten Wert. Erst als ihnen gezeigt wurde, wie schlecht sich andere Absolventen des Tests anstellten, gewannen sie das notwendige Selbstvertrauen, um ihre eigene Leistung etwas höher einzustufen, was dann schließlich auch erheblich näher an den tatsächlichen Ergebnissen lag.

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  1. #1 by soulwarrior on 11 June 2009 - 17:23

    Hi,

    die Studie hat stets 4 Bereiche betrachtet. Die Gruppe, die am besten abschnitt, hat sich selbst überschätzt – was darauf zurückzuführen ist, dass diese Personen davon ausgingen, dass alle anderen ebenfalls ähnlich wie sie abschneiden würden.

    Die Personen der Gruppe 3 lagen sehr realistisch mit ihren Einschätzungen.

    Die Personen der Gruppen 1 und 2 wichen eben stark ab. Gruppe 1 dementsprechend noch mal mehr als Gruppe 2 (diese Gruppen waren, wie deutlich sein sollte, nach Leistung in den jeweiligen Tests zusammengestellt).

    Es scheint so, als ob man nicht wirklich gut bewerten kann, wie gut man bei einer bestimmten Sache abgeschnitten hat, wenn man die jeweilige Tätigkeit auch einfach nicht drauf hat.

    soul

  2. #2 by Orlo on 11 June 2009 - 12:39

    Hallo Soul,

    wiedermal ein sehr guter Bericht. Ich finde diese Studie faszinierend. Nun besteht denke ich die Frage weshalb schätzen sich die “dummen” als die klügsten ein?
    Ich denke es liegt daran, dass der Mensch sich selbst eigentlich immer als normal betrachtet und alles an seinen eigenen Fähigkeiten misst. Wenn man also versucht sich persönlich als nicht so gut anzusehen als man selbst ist kann man dann in dem Bereich seine Aufgaben besser lösen als die Einstufung der Studie es gemessen hat?

    Gruß
    ORlo

(will not be published)